Der Lückenschluss (Bericht vom Ruderclub Mondsee)

Alles begann mit dem Vorhaben von Karl (einem Weltenbummler in Sachen Rudern), von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer zu rudern. Bei unserer gemeinsamen Wanderfahrt 2009 auf dem Rhein-Main-Donaukanal beklagte Karl den Umstand, dass er niemand findet, der das noch fehlende Teilstück (den Unterlauf des Mains von Miltenberg bis Mainz) mit ihm rudern will. Als ich dann bei Max anfragte, ob wir ein Boot vom FRV haben können, schlug er mir eine gemeinsame Wanderfahrt vor, die wir schließlich vom 15. bis 20. August durchführten.

Soweit die Vorgeschichte. Die Mondseer (Andrea, Rüdiger, Katharina, Christian, Erika, Martin, Franz und natürlich Karl) reisten schon zum Inselfest am 13. August an. Nach einem Sonntagmorgenbummel durch Frankfurt wurden die Boote verladen und es ging ab nach Miltenberg. Ein Teil der Frankfurter (Max, Klaus, Olaf, Hubert, Walter, Karin, Claudia, Natascha und Gabi) reiste mit der Bahn an, denn als Transportmittel gab es nur einen alten VW-Bus (fürs Gepäck) und das Auto von Rüdiger als Zugfahrzeug. In der besten Konditorei im Ort trafen wir dann alle wieder zusammen. Die Regenschauer an diesem Nachmittag bzw. Abend sollten bis auf einen kurzen Regenguss am Freitag die einzigen nassen Phasen dieser Wanderfahrt bleiben. Übernachtet wurde dann vom Großteil der Mannschaft im ältesten Gasthaus Deutschlands, dem „Riesen“ (urkundlich erwähnt Mitte des 12. Jhd.). Dabei mussten wir feststellen, dass Karl der Große wahrscheinlich gar nicht so groß war (jedenfalls waren die Betten nicht für Ruderer gebaut).

Am Montagmorgen ging es dann endlich aufs Wasser. Der Main fließt hier durch Bayern, und dort war (wie übrigens in Österreich auch) Feiertag (Maria Himmelfahrt). Also war der Landdienst bei Wasserversorgung und Mittagsrast gefordert. Die einzige Verpflegungsmöglichkeit in Großwallstadt war einer Heckenwirtschaft (in Baden-Württemberg würde man Straußenwirtschaft sagen, in Österreich Buschenschank) mit ungarischer Küche mitten im Wohngebiet. Anscheinend traf sich dort die ganze Stadt zum Mittagessen, denn es war sogar um 14:00 Uhr noch proppenvoll. Nach einem Verdauungsschläfchen bzw. –kaffee ging es dann weiter bis Aschaffenburg. Dort verschlug es uns am Abend in den bekannten Braugasthof „Schlappeseppl“ und danach noch zum Afrikafestival.

Der Dienstag war unser Kulturtag. Auf Empfehlung von Walter (immerhin ein gebürtiger Aschaffenburger) sahen wir uns in der Johannisburg die Korksammlung (Nachbildung römischer Ruinen) an und ließen uns danach im Pompeianum in die Römerzeit zurückversetzen. Pünktlich um 12:00 Uhr ging es wieder aufs Wasser, denn wir wollten unbedingt noch das Eis in Seligenstadt genießen. Im Klostergarten gab es von unseren Apothekern Andrea und Rüdiger noch eine Kurzeinführung in die Kräuterkunde mit besonderem Augenmerk auf Rauschmittel… Der Abend wird einigen übrigens noch lange in Erinnerung bleiben, da sie 90 Minuten aufs Essen warten mussten. Aber das sollte der einzige kulinarische Reinfall auf dieser Wanderfahrt sein.

Am nächsten Tag ging es dann ab Richtung Heimat (sprich: Frankfurt). Die Schleusen wurden breiter und endlich hatten alle 3 Boote gemeinsam Platz in der Schleusenkammer. Die dadurch gewonnen Zeit haben wir dann zu einer ausgiebigen Mittagsrast in Mühlheim genutzt. Hier hat sich auch Max zum wohlverdienten Familienbesuch im Schwarzwald verabschiedet. Mit seiner perfekten Organisation hat er viel zum Gelingen dieser Fahrt beigetragen – herzlichen Dank! Und zur Einstimmung auf Frankfurt (immerhin waren wir wieder in Hessen) wurden wir an der Schleuse Offenbach bereits mit Äppler erwartet.

In Frankfurt tauschten wir dann die Hinrichs gegen die Brückenmühle, weil nicht alle Frankfurter Zeit für die letzten beiden Etappen hatten. Bei drückender Hitze machten wir auf dem Weg nach Mainz beim Flörsheimer Ruderverein Siesta und nutzten die aufgestellten Liegestühle redlich aus. Auf den letzten Kilometern zum Rhein steigerte sich die Spannung, und plötzlich war es geschafft: Wir waren in Mainz und Karl am Ziel seiner langen Reise (insgesamt 3.505 Ruderkilometer) angekommen. Dieses Ereignis musste natürlich sofort gefeiert werden: Karl wurde standesgemäß mit Wasser aus Rhein, Main und Donau getauft. Um uns den Bootstransport von Mainz nach Frankfurt zu ersparen, wurden die Boote kurzerhand am Freitag wieder zurückgerudert. Ein kräftiger Schiebewind hob die Gegenströmung auf und so kamen wir vor der errechneten Zeit in Höchst an. Nach einer kleinen Stadtbesichtigung ging es dann auf die letzten Kilometer, wobei es ab Griesheim für die meisten ja schon ein Heimspiel war.
Nachdem die Boote versorgt waren, haben wir noch einmal auf diese schöne Fahrt angestoßen. Reich beschenkt (mit 3 Packungen „Grie Soß“) traten wir dann die Heimreise an. Es wäre schön wenn wir mit den Frankfurtern wieder einmal etwas unternehmen könnten - vielleicht das nächste Mal in Mondsee!