Die Somme-Wanderfahrt verdanken wir der alten Freundschaft zwischen Max und Michel aus Carbone-Zeiten. Auf einer Vortour klären die beiden alles Organisatorische, Hotels, Campingplätze, Ruderstrecken.

Die Somme hat eine Länge von 250 Kilometern. Wir rudern die letzten 120 von Peronne bis zur Mündung am Ärmelkanal in Saint-Valery-sur-Somme in vier Tagen, zwei Tage, Dienstag und Freitag sind frei. Der Fluß ist knapp autobahnbreit, strömt wenig, das Wasser ist manchmal gut, sonst mainmäßig alle sechs/sieben Kilometer eine Schleuse. Schwimmwestentragen ist hier Pflicht.

Am Samstag, den 3. Juli starten wir um acht morgens. Alles ist verpackt, Boote auf dem Hänger, es sind Baumann, Sachsenhausen, Blindflug, Nepomuk und ein Germania-Vierer. Verladen war Donnerstagabend. In vier Leihbussen die meisten Ruderinnen und Ruderer, einige kommen von sonstwoher mit privatem Transport nach Perronne, einer geadelt durch den Händedruck des neuen Bundespräsidenten. Es sind dabei: Jungdynamikerinnen und alte Säcke, Hotellis und Camper (Untergruppen: Freiluft-Bodenmattenschläfer, Hängematten-Schläfer, Zeltschläfer), Cornelisten und Maxisten, Nichtwissende und Besserwisser/innen, usw. Alle wollen gemeinsam ein paar Tage rudernd miteinander verbringen.

Der Sommer summt, es ist heiß. Wir fahren über Aachen, sehen den Kölner Dom aus der Ferne, drehen den französischen Autobahnmaut-Räubern eine Nase, durchqueren deswegen Belgien, fahren insgesamt 560 Kilometer bis Peronne. Sonntagvormittag riggern wir auf und setzen die Boote etwas mühsam ein. Wir kommen spät los. Die Ruderstrecke ist 32 Kilometer, wir übernachten wieder in Peronne.

Neben dem Generationswechsel im Vorstand des FRV ist die Fußballweltmeisterschaft wichtiges Thema. Sonnabendabend in der rappelvollen, schlauchartige Kneipe am Marktplatz in Peronne, Freude, Freude, 4 : 0 gegen Argentinien. Die FAZ schreibt „Angela Merkel genießt den glücklichsten Tag ihrer zweiten Kanzlerschaft“. Na ja... Sonntag fährt tatsächlich ein Vierer „ Vier zu Null“, vier Schläge im Wasser und ein Luftschlag. Ich glaube, Hans-Wolfram hat sich das ausgedacht.

Beim Landdienst kommt man immer wieder an Soldatenfriedhöfen vorbei. Im ersten Weltkrieg sind in dieser Gegend in den Somme-Schlachten 1916 und 1918 über eine Million Soldaten gefallen. Montag rudern wir bis Amiens, zu Michels Heimatruderclub SNA (was heißt das?). Der Ruderclub liegt, mit Zinnen und Gebälk verziert wie eine Theaterkulisse vor der Stadtsilhouette. Abends sind wir zum Buffet eingeladen. Danke, Michel ! Wir bedanken uns zurück mit Frankfurterischem: Bembel und Äppler.

Dienstag ist frei. Die Kathedrale ist ein enormes gotisches Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert. Gerhard lädt zu einem kulturhistorischen Vortrag ein. Alle kommen und lauschen. Mehr s. Wikipedia. Abends ist das gute Stück auch noch bunt beleuchtet.

Mittwoch rudern wir bis km 124, lassen die Boote dort und übernachten nochmal in Amiens. Wieder WM, gegen Spanien. Die Kneipen haben Fernseher rausgestellt, der Platz ist voll, Robina drapiert schwarzrotgold um den Bildschirm. Kraftloser Zauber, nützt nichts, unsere sind nicht gut und nicht mutig, die Spanier spielen besser, wir und Jogi sehen es von Anfang an. 1:0 verloren. Na, Hauptsache, wir haben England geschafft.

Dann Donnerstag, der letzte Rudertag. Nachmittags bei Hitze 12 km geradeaus durch den Somme- Kanal bis St. Valery-sur-Somme. Eine Schleuse trennt uns noch vom offenen Meer. Geschafft. Jetzt noch abriggern und aufladen. Roland erledigt das Festzurren auf den oberen Etagen. St. Valery-sur-Somme ist ein nettes Städtchen mit Wasserpromenade und hübscher Altstadt. Hier versammelte Wilhelm der Eroberer 1066 seine Flotte. Jeanne d Arc war hier 1430 als Gefangene der Engländer auf ihrem Weg zum Scheiterhaufen in Rouen. 2010 verunordnet Birgit auf dem Campingplatz Gartenzwerge. Auf der Promenade erleben wir über der See einen gleißend hellen gelben Sonnenuntergang. Turner grüßt.

Freitag ist freier Tag, eigentlich sollte noch das Atlantikprojekt starten: Mit Baumann aufs Meer. Es gab viele Interessenten, aber irgendwie keine Tätigen. Also Klein-Klein: Fahrrad mieten, Bimmelbahn fahren, gammeln. Abends sind alle in der Super-Strandbar. Kulinarisches Highlight ist außerdem allemal das Camper- Frühstück: Starker Kaffee, golden-knusprige Croissants, duftende Baguettes, leckerer Käse, man kann es nicht genug loben. So fängt ein Rudertag gut an. Vive la France !!! Es war arg schön ! Danke an die Organisatoren !

Fritz